Pajtim Statovci: Grenzgänge

Das finnische Buch und internationales literaturfestival berlin (ilb) laden herzlich ein

Pajtim Statovci: Grenzgänge

Mittwoch, 16.9.2020 um 19:30 Uhr
silent green Kulturquartier
Gerichtstraße 35
13347 Berlin
Moderation: Toby Ashraf
Sprecher: Tucké Royale
Eintritt: 10 € / ermäßigt 6 €

Bujars Vater liegt im Sterben, und sein Freund Agir wird verprügelt, weil er Frauenkleider trägt. Gemeinsam verlassen die beiden jungen Männer ihre Heimat Albanien. Die Suche nach einer besseren Zukunft ist auch die Suche nach einer neuen Identität. »Die brutale Schönheit von ›Grenzgänge‹ beruht auf einem inneren Verständnis von Zugehörigkeit und Ausgrenzung, Liebe und Grausamkeit.« [The Guardian]

Das Gespräch findet auf Englisch statt.

Der Autor liest aus dem Original auf Finnisch. Der Sprecher liest die deutsche Übersetzung.

Der finnisch-kosovarische Schriftsteller Pajtim Statovci wurde 1990 geboren. Er war zwei Jahre alt, als seine Familie aus dem Kosovo nach Finnland auswanderte, um den politischen Unruhen zu entgehen. Statovci studierte Komparatistik an der Universität Helsinki, wo er derzeit an seiner Promotion arbeitet, sowie Szenisches Schreiben an der dortigen Aalto-Schule für Kunst, Design und Architektur.

Er war noch Student, als 2014 sein Romandebüt »Kissani Jugoslavia« (Ü: Meine Katze Jugoslawien) erschien, der für seine Symbolkraft und die meisterhafte Verbindung zwischen Realität und Traum mit dem renommierten Helsingin-Sanomat-Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Die Handlung ist in den 1980er Jahren angesiedelt, der Autor beschäftigt sich mit der Frage homosexueller Identität und mit der Situation von Einwanderern in der finnischen Gesellschaft. Der Roman erschien 2017 auch in englischer Übersetzung unter dem Titel »My Cat Yugoslavia« und erhielt den International Dublin Literary Award. Als Theaterstück hatte der Stoff 2018 am Finnischen Nationaltheater in Helsinki Premiere. Statovcis zweiter Roman »Tiranan sydän« (2016; dt. »Grenzgänge«, 2020) erzählt vor dem Hintergrund albanischer Mythen und Legenden von zwei jungen Männern, die ihre durch die Diktatur unter Enver Hoxha und den Kommunismus traumatisierte Heimat Richtung Italien verlassen und versuchen, in einem fremden Land und befremdet vom eigenen Körper und der eigenen Sexualität eine neue Heimat zu finden. Der Roman war 2019 in englischer Übersetzung Finalist des US-amerikanischen National Book Award. 2019 erschien Statovcis dritter Roman »Bolla«, dessen Handlung Mitte der 1990er Jahre in Priština einsetzt. Dort lernt der junge, frisch verheiratete Arsim in einem Café den serbischen Medizinstudenten Miloš kennen. Zwischen ihnen entspinnt sich eine Affäre, und binnen kurzer Zeit stellt sich für Arsim alles auf den Kopf: Seine Frau teilt ihm mit, schwanger zu sein, und er wendet Gewalt gegen sie an. Seine Verbindung zu Miloš bricht mit Kriegsbeginn ab, denn Arsim geht mit seiner Familie ins Ausland, und Miloš macht Karriere beim Militär. Viele Jahre später findet Arsim den Freund wieder, aber seine große Liebe Miloš ist nicht mehr der Mann, den er kannte. Kunstvoll verwebt Statovci die Liebesgeschichte mit der Legende vom albanischen Drachen Bolla, der das ganze Jahr über schläft und nur am Georgstag erwacht und den Menschen verschlingt, den er zuerst erblickt. Statovci wurde für sein drittes Werk 2019 mit dem Finlandia-Literaturpreis in der Kategorie Romanliteratur ausgezeichnet. Die Jury nannte das Werk »einen schockierenden und berührenden Roman, der durch seine Ausdruckskraft besticht«. Eine Übersetzung des Werks ins Englische, Deutsche und weitere Sprachen ist geplant.

Der Autor lebt in Helsinki.

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