Max Seeck: Blindspiel

(Rezension aus DFR 206/2025)

Max Seeck: Blindspiel

Blindspiel ist der erste Band einer neuen Thriller-Reihe des mehrfach ausgezeichneten Helsin­kier Autors Max Seeck. Seeck wird derzeit als einer der besten lebenden nordischen Krimiautoren gehandelt, vor allem nach seiner Reihe um Ermittlerin Jessica Niemi. Sein aktueller Plot fordert die Helsinkier Polizei mit Ermittlerin Minka Laine und den bei schwierigen Fällen hinzugezogenen Profiler Milo Perho heraus – denn der Mörder operiert mit Schachlogik und Schachfiguren. Ist es ein Serientäter, der wahllos mordet, oder stehen Beziehungsirrungen hinter den abstrusen Taten? Seine Opfer haben Schachfiguren im Hals stecken und sind in einer der Schachfarben – weiß oder schwarz – bemalt, und Milo bekommt Schachnotationen zugeschickt und muss versuchen, Partien und Logiken zu erkennen und vorauszuahnen … ein wirklich spannendes Motiv.

Blindspiel übrigens, der Titel, bezeichnet eine Partie, bei der mindestens einer der Spieler ohne Ansicht des Bretts und der Aufstellung spielen muss, und genau das trifft.

Gut, dass Milo einst von seinem Stief­vater die Grundzüge des königlichen Spiels mitbekommen und es damit leichter hat, in die Schachwelt einzutauchen. Aber Milos Beziehung zu dem Mann, für den seine Mutter den an Depressio­nen erkrankten Vater verlassen hat, ist schwierig und hoch ambivalent – unter anderem, weil der Stiefvater selbst eine Geheimdienst-Vergangenheit mit manchem dunklen Flecken in der Biografie hat, die Milo schon als Junge kennenlernen musste. Milos Mutter als Gerichts­medizinerin ist nicht unproblematischer besetzt für den Profiler, der, wenn er nicht von der Polizei angefordert wird, eine Kunstgalerie betreibt.

Wie es sich für einen guten Thriller gehört, werden private Verknüpfungen, Kindheitsgeheimnisse und Beziehungsschwierigkeiten der Ermittler aufgefächert, manche dann auch mit Bezug zu den grausigen Taten. Die Ermittler haben alle Hände voll zu tun – und müssen zum Teil selbst Angst um ihre Familien haben, eine schlechte Voraussetzung für einen kühlen Kopf bei der Polizeiarbeit.

Sowohl Minka als auch Milo übrigens haben keine schnellen Lösungen im Korb, sind wenig rau und tough, sondern eher menschlich und verletzlich angelegt – ein Umstand, der sie sympathisch macht. Die Auflösung des Falls ist überraschend, der Prozess der Ermittlungen nimmt manche spannende Wendung. Und natürlich steht auch hinter dem Ende eine frühe, belastete Geschichte …

Auf jeden Fall dürfen Leser und Leserin gespannt sein, wie sich die Reihe weiter entwickelt. Gabriele Schrey-Vasara hat den Band ins Deutsche übertragen, wie auch bereits die Bücher der Niemi-Reihe – sie ist vertraut mit dem Stil des Autors und schafft das deutsche prickelnde Lesevergnügen.

Max Seeck: Blindspiel. Merkitty. Aus dem Finnischen von Gabriele Schrey-Vasara. Lübbe 2025. 416 Seiten. ISBN 978-3-7577-0102-4. 18 Euro

Jessika Kuehn-Velten

Quelle: Deutsch Finnische Rundschau 206/2025