(Rezension aus DFR 206/2025)
Lena Frölander-Ulf: Wilma Wildpelz
Die Autorin des soeben auf Deutsch erschienenen Kinderbuches für Acht- bis Zehnjährige wurde 1976 geboren und lebt als Jugendbuchautorin und Illustratorin in Helsinki. Sie hat für ihre auf Finnisch und auf Schwedisch erschienenen Bücher im Jahr 2020 den Topelius- und Arvid-Lydecken-Preis erhalten, wie die renommierte finnische Gazette Helsingin Sanomat im Januar 2020 berichtete. Wilma Wildpelz stellt eine Abenteuergeschichte mit einer ganz besonderen Freundschaft und ganz beziehungsreichen Verbindungen dar. Es handelt sich um die literarisch oft widergespiegelte Erzählung von Gegensätzen und auch Freundschaften, die die Autorin meisterhaft thematisiert.
Die handelnden Figuren sind jenes „Murmelmädchen“ Wilma, ihr bester Freund Knolle sowie die Kreuzotter Zickzack Schwarzschwanz. Sie alle bewohnen das von Wald umgebene Geröllfeld, das auch einen „Murmelhof“, eine Schlangengrube und kleine Ebereschen birgt. Wenn auch die Kreuzottern von den Murmeltieren gefürchtet werden, so bahnt sich jählings zwischen jenem Zickzack Schwarzschwanz und Wilma eine Art Freundschaft an: „Wirklich komisch. Das habe ich alles ganz anders gelernt … Ich bin echt froh, dass du hier bist, Wilma Murmeltier“. Steht doch Zickzack Schwarzschwanz im Begriff, sich von seinen Verwandten zu trennen: „Ich habe die Absicht, meinen Clan zu verraten.“
Immer wieder sind es die Lebenszusammenhänge um Vertrauen und Beziehung, mit denen uns die lebensnahe Autorin konfrontieren und beiseite nehmen will. In einem „Schlangenclan“ trifft allein und einzig die Hauptfigur die Entscheidungen: „Deshalb will ich ja abhauen“. Zickzack scheint zufrieden zu sein. Eine Schlange als Freund, sinniert Wilma, „puh“. Und doch vertraut sie auf das Gute – und soll wahrhaftig recht behalten. Und aufrechte Freunde halten zusammen, egal was passiert. Als etwa Zickzacks Schwanzende unter einem Felsenstein ganz festgeklemmt ist, befreit ihn Wilma: „Ihr habt ja nicht mal Pfoten, mit denen man arbeiten kann!“. Manche dialogreiche Szene würzt auch den interessanten Text, wenn zum Beispiel geschrieben steht: „‘Aber Schlangen sind schlau! Wir haben Gesetze und eine feste Ordnung! Wir haben Generäle, Wachen und Schlangenregeln. Ihr Murmeltiere dagegen…‘ Zickzack hebt den Kopf und verdreht die Augen, ‚… seid einfach nur da‘“.
Am Ende des Buches herrscht endlich bestes Einvernehmen: Alle liegen in einem „gemütlichen Murmellager im Wald“ zusammen. „Wir drei“, murmelt „Zickzack mit vollständig geschlossenen Augen. Als alles schläft, liegt Wilma wach, und es „kribbelt“ in ihr, denn morgen bahnen sich reichhaltig neue „Lebensabenteuer“ an.
Lena Frölander-Ulfs Kinderbuch glänzt von bester Übersichtlichkeit und ist von flotter „Schreibe“ begleitet. Inhaltlich ist es in 24 sehr übersichtliche Kapitel zu etwa je acht Seiten gegliedert, die jeweils sehr wunderschöne Zeichnungen bergen. Und genau auf der letzten Buch-Seite ist dokumentiert, dass die Buchautorin die schönen Zeichnungen von eigener Hand gefertigt hat. Von einem essentiellen Wert ist der gleich im Prolog vorzufindende Lehrsatz der sehr klugen Autorin: „Solange sich niemand mehr nimmt, als ihm zusteht. Solange nichts das Gleichgewicht stört.“
Ein rundum schön aufgelegtes Buch, welches auch recht voller Verve die Erwachsenenwelt anzusprechen vermag! Und auch deshalb ist das schöne Buch sowohl zum Vorlesen als auch zum Selbsterlesen konzipiert!
Lena Frölander-Ulf: Wilma Wildpelz. Ein Murmeltier gibt niemals auf. Aus dem Schwedischen von Friederike Buchinger. Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, Stuttgart 2025, ISBN 978-3-522-18678-0, 190 S., gebunden, 15 Euro
Dr. Michael Peters
Quelle: Deutsch Finnische Rundschau 206/2025