Eva Frantz: Die Tote im Wasser

(Rezension aus DFR 206/2025)

Eva Frantz: Die Tote im Wasser

Mit „Die Tote im Wasser“ liegt nun bereits der dritte Krimi um die Kommissarin Anna Glad in deutscher Sprache vor. Schauplatz im neuen Fall ist wieder die kleine Gemeinde in den Schären, etwa eine knappe Autostunde von Helsinki entfernt. Seit der Pandemie hat sich einiges verändert. Läden und Lokale haben aufgegeben, das Kino öffnet mit einem eingedampften Programm nur noch am Wochenende. Von Langeweile, über die sich so manche Bewohner beklagen, kann jedoch nicht die Rede sein. Denn an einem ungemütlichen Wintermorgen wird aus dem Gullyschacht eines Kinderspielplatzes eine Leiche gezogen. Bei der Toten handelt es sich um die seit Tagen vermisste als eigenbrötlerisch geltende Schulsekretärin. Das ruft Anna und ihr Team auf den Plan.

Die Kommissarin ist mittlerweile Mutter des kleinen Goffe und versucht den Spagat zwischen Arbeit und Familie, den jede berufstätige Mutter kennt. Ihr Lebensgefährte Tomas, ebenfalls Polizist, hat seinen Dienst in Turku quittiert und ist nun Hausmann und Vater. In dieser Eigenschaft ist ihm der Tatort wohlbekannt. Denn der Spielplatz ist tägliches Ziel von Vater und Sohn. Goffe hat dort eine Spielkameradin gefunden und Tomas in der Pflegemutter der vierjährigen Veera eine Freundin. Diese befürchtet, das Jugendamt könnte das Kind wieder seiner biologischen Mutter zurückgeben und setzt alles daran, das zu verhindern. Und eines Tages ist das Mädchen verschwunden.

Kurz zuvor wird in Helsinki die Leiche eines Rentners entdeckt, die ebenfalls in einem Gully gefunden wird. Ein drittes Opfer, ein Rechtsanwalt, entgeht nur knapp der Katastrophe und kann aus dem Schacht befreit werden. Dass die drei Fälle irgendwie miteinander zu tun haben, liegt auf der Hand. Eingehende Ermittlungen und Kommissar Zufall fügen die Puzzleteile letztlich zusammen.

Anna Glad und ihr Team haben also alle Hände voll zu tun. Da kommt es höchst ungelegen, dass unter Federführung einer kulturbeflissenen Dame einige ebenso kulturbeflissene Bewohner des Städtchens – unter ihnen Annas ehemaliger Kollege – in die alte, zum Abriss stehende Schule widerrechtlich eindringen. Unter einer Betonwand vermuten sie das Frühwerk eines international bekannten Aktionskünstlers. Und natürlich hat alles mit allem zu tun.

Eva Frantz beherrscht ihr Metier. Der Krimi liest sich flüssig und spannend, ist gut konstruiert und ja, durchaus komplex. Mit Anna Glad hat sie eine bodenständige uns sympathische Polizistin erschaffen, die ohne Verfolgungs­jagden und gezogenen Revolver auskommt. Auch die anderen Charaktere, selbst die der Nebenschauplätze, zeichnet sie eingehend und prägnant und mit wohldosiertem Humor. Hier fühlt man sich durchaus an das Milieu erinnert, in dem Chief Inspektor Barnaby bei seinen Ermittlungen auf moralische Abgründe seiner Kleinstadtidylle stößt, (und wünscht sich zuweilen eine Verfilmung der Anna Glad-Reihe). Eine echte Leseempfehlung also! Wem das Buch gefällt, darf gerne auch die Vorgänger – Die Tote im Eis und Tod in den Schären – zur Hand nehmen. Langweilig wird’s auf keinen Fall.

Eva Frantz: Die Tote im Wasser, übersetzt von Leena Flegler, Aufbau-Verlag, Taschenbuch, 355 S., ISBN: 978-3-7466-4135-5, 12 Euro

Petra Sauerzapf-Poser

Quelle: Deutsch Finnische Rundschau 206/2025

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