Ville Ranta: Wie ich Frankreich erobert habe

(Rezension aus DFR 205/2025)

Die Vermittlung des grafischen Erzählens stellt weitaus mehr als eine „Abfolge“ von Bildern dar. Reichen doch die „Uranfänge“ der „Comics“ – jener Bildgeschichten – bis in die Antike zurück. Auch die Finnen lieben Comics, und haben eine vielseitige, indessen über die Landesgrenzen hinaus weitgehend unbekannte Szene. Zumeist lesen die Finnen die Comics in galoppierender Windeseile. Jetzt ist in Helsinki gar ein Comic Atlas Finnland erschienen. Das originär „Gelobte Land“ der Comics jedoch ist Frankreich.

So ist etwa dem finnischen Autoren Ville Ranta von Seiten der „Grande Nation“ im Jahre 2017 der Nationale Verdienstorden (Ordre national du Mérite) verliehen worden, während sein Werk Célébritiz bereits 2006 als „bestes Album“ gekürt wurde. Jetzt hat Ville Ranta ein neues Comicbuch vorgelegt. Den Handlungsstoff von Ville Rantas vormals lediglich auf Finnisch ediertem Buch Wie ich Frankreich erobert habe wiederzugeben ist keineswegs mühselig.

Hat sich doch in Ville Rantas Comic­roman der Urheber annähernd spiegelbildlich unter demselben Rufnamen als jene handelnde Hauptperson Ville versteckt: „Du hast eine glänzende Zukunft in Frankreich vor dir, Ville!“ Doch viele Dinge gestalten sich vollständig anders, als es sich Ville in seiner Gedankenwelt ausgemalt hatte. Denn in Paris hat Lancelot, einer der ehrbarsten französischen Schriftsteller, Ville jene Zusage abgerungen, miteinander gemeinsam ein „Schreibprojekt“ auf den Weg zu bringen: „Die Publizisten werden deine Arbeit schätzen, wie ich!“

Aber die Treffen mit französischen Verlegern verliefen oft furchtbar peinlich. Doch brächte Ville in seine Werke mehr Humor, veröffentlichten die Verlage sein „nächstes Buch“ ganz „selbstverständlich“ (S. 78). Ville war zudem der französischen Sprache nicht mächtig. Während sein Französisch „vor Nervosität“ „immer schlechter“ wurde. Am Ende der Comicgeschichte musste Ville bekennen: „Ich wollte Frankreich erobern. Doch ich war nicht mehr der stürmische Wilde von früher… Ich war ein vierzigjähriger Vater aus der Provinz … der seine kurze Blütezeit verschwendet hatte“. Und auch das Scheitern von Villes „Schreibträumen“ endet ganz am Ende des Comicbuches tragisch: „Ich wollte wissen, was an meinen guten Büchern so schlecht war, denn sonst… wär’s ja anders gelaufen“: „Lancelot hat nie eine einzige Zeile von mir gelesen“ (S. 154). Ist es aber doch gerade stets erneut die Selbstironie, die bei Ville Ranta obsiegt!

Wie ich Frankreich erobert habe ist einfach ein schönes wie anspruchsvolles Buch, das von Jung und Alt gelesen, sowie des Weiteren auch rundum „studiert“ werden kann.

Der aus Oulu gebürtige (geb. 1978) Erfolgsautor Ville Ranta hatte einstmals etwas schelmisch hervorgehoben: „Meine Schöpfkraft resultiert größtenteils direkt aus den französischen Comics, und das ist in meiner Arbeit stark nachweisbar“. Die Sprache des Verfassers brilliert mit lateinischer Klarheit, und die einfallsreichen Zeichnungen unterstützen wendig wie bildhaft den farbigen Inhaltsstoff. Die gute Übersetzung aus dem Finnischen verfertigte die aus dem Niedersächsischen stammende Germanistin und Deutsch-Finnin Elina Kritzokat (geb. 1971).

Die Vermittlung des grafischen Erzählens stellt weitaus mehr als eine „Abfolge“ von Bildern dar. Reichen doch die „Uranfänge“ der „Comics“ – jener Bildgeschichten – bis in die Antike zurück. Auch die Finnen lieben Comics, und haben eine vielseitige, indessen über die Landesgrenzen hinaus weitgehend unbekannte Szene. Zumeist lesen die Finnen die Comics in galoppierender Windeseile. Jetzt ist in Helsinki gar ein Comic Atlas Finnland erschienen. Das originär „Gelobte Land“ der Comics jedoch ist Frankreich.

So ist etwa dem finnischen Autoren Ville Ranta von Seiten der „Grande Nation“ im Jahre 2017 der Nationale Verdienstorden (Ordre national du Mérite) verliehen worden, während sein Werk Célébritiz bereits 2006 als „bestes Album“ gekürt wurde. Jetzt hat Ville Ranta ein neues Comicbuch vorgelegt. Den Handlungsstoff von Ville Rantas vormals lediglich auf Finnisch ediertem Buch Wie ich Frankreich erobert habe wiederzugeben ist keineswegs mühselig.

Hat sich doch in Ville Rantas Comic­roman der Urheber annähernd spiegelbildlich unter demselben Rufnamen als jene handelnde Hauptperson Ville versteckt: „Du hast eine glänzende Zukunft in Frankreich vor dir, Ville!“ Doch viele Dinge gestalten sich vollständig anders, als es sich Ville in seiner Gedankenwelt ausgemalt hatte. Denn in Paris hat Lancelot, einer der ehrbarsten französischen Schriftsteller, Ville jene Zusage abgerungen, miteinander gemeinsam ein „Schreibprojekt“ auf den Weg zu bringen: „Die Publizisten werden deine Arbeit schätzen, wie ich!“

Aber die Treffen mit französischen Verlegern verliefen oft furchtbar peinlich. Doch brächte Ville in seine Werke mehr Humor, veröffentlichten die Verlage sein „nächstes Buch“ ganz „selbstverständlich“ (S. 78). Ville war zudem der französischen Sprache nicht mächtig. Während sein Französisch „vor Nervosität“ „immer schlechter“ wurde. Am Ende der Comicgeschichte musste Ville bekennen: „Ich wollte Frankreich erobern. Doch ich war nicht mehr der stürmische Wilde von früher… Ich war ein vierzigjähriger Vater aus der Provinz … der seine kurze Blütezeit verschwendet hatte“. Und auch das Scheitern von Villes „Schreibträumen“ endet ganz am Ende des Comicbuches tragisch: „Ich wollte wissen, was an meinen guten Büchern so schlecht war, denn sonst… wär’s ja anders gelaufen“: „Lancelot hat nie eine einzige Zeile von mir gelesen“ (S. 154). Ist es aber doch gerade stets erneut die Selbstironie, die bei Ville Ranta obsiegt!

Wie ich Frankreich erobert habe ist einfach ein schönes wie anspruchsvolles Buch, das von Jung und Alt gelesen, sowie des Weiteren auch rundum „studiert“ werden kann.

Der aus Oulu gebürtige (geb. 1978) Erfolgsautor Ville Ranta hatte einstmals etwas schelmisch hervorgehoben: „Meine Schöpfkraft resultiert größtenteils direkt aus den französischen Comics, und das ist in meiner Arbeit stark nachweisbar“. Die Sprache des Verfassers brilliert mit lateinischer Klarheit, und die einfallsreichen Zeichnungen unterstützen wendig wie bildhaft den farbigen Inhaltsstoff. Die gute Übersetzung aus dem Finnischen verfertigte die aus dem Niedersächsischen stammende Germanistin und Deutsch-Finnin Elina Kritzokat (geb. 1971).

Ville Ranta: Wie ich Frankreich erobert habe. Aus dem Finnischen von Elina Kritzokat, Verlag Reprodukt GmbH, Berlin 2025, ISBN 978-3-95640-450-4, 154 S., gebundene Ausgabe, 20 Euro

Dr. Michael Peters

Quelle: Deutsch Finnische Rundschau 205/2025: Wie ich Frankreich erobert habe. Aus dem Finnischen von Elina Kritzokat, Verlag Reprodukt GmbH, Berlin 2025, ISBN 978-3-95640-450-4, 154 S., gebundene Ausgabe, 20 Euro

Dr. Michael Peters

Quelle: Deutsch Finnische Rundschau 205/2025

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