(Rezension aus DFR 204/2025)
Die Finnin Satu Rämö wird als die nordische Nummer eins- Bestsellerautorin beworben. Sie lebt seit zwanzig Jahren in einer isländischen Kleinstadt mit ihrem Mann und zwei Kindern, nachdem sie ursprünglich für ein Auslandssemester nach Island gegangen war, um dort isländische Kultur und Literatur zu studieren. Nach erfolgreichen Sachbüchern und der Tätigkeit als Bloggerin und Mentorin landete Satu Rämö mit ihrem ersten Kriminalroman sofort auf den Bestsellerlisten in ihrer Heimat. Daraus entstanden ist die Hildur-Trilogie um die isländische Kommissarin Hildur Rúnarsdóttir mit den Romanen: Die Spur im Fjord (10/2023), Das Grab im Eis (4/2024) und Der Schatten des Nordlichts (10/2024). Im Original auf Finnisch veröffentlicht, kam hier auf die Übersetzerin Gabriele Schrey-Vasara ein „ordentliches“ Übersetzerprojekt zu, hat sie es doch geschafft, die drei Bände mit jeweils um die 400 Buchseiten im Zeitraum von Oktober 2023 bis Oktober 2024 für den Wilhelm Heyne Verlag sprachbereit auf den deutschen Markt zu bringen.
Auch Band 3 kann, wie die anderen Teile, unabhängig gelesen werden, so dass die Bezeichnung der „Trilogie“ nicht täuschen darf. Denn jeder der Rämö-Krimis behandelt einen abgeschlossenen Fall, der von der Ermittlerin Hildur in ihrer Heimat Island einer Lösung zugeführt wird. Die Romane sind allesamt spannend geschrieben und beginnen nach zumeist vielschichtigen Einleitungen und Zusammenführungen diverser Inhaltsstränge, sich zu einem Fall und Geflecht zusammenzufügen.
Je mehr der Leser in die anfangs noch unbekannten Hintergründe einsteigt, desto fesselnder nimmt ihn die Krimihandlung mit, bis die Spannung derart zunimmt, dass das Buch nicht mehr aus der Hand gelegt werden kann.
Satu Rämö schreibt von einem beeindruckenden Island vor landschaftlich hinreißender Kulisse, die ob der Kriminalfälle, Toten und furchtbaren Morde jedoch dunkel und düster, zum Teil auch erschreckend wirkt. Hildur ist dabei von erfrischendem Charakter, hat aber auch, wie in einem Roman ausführlicher dargestellt wird, ihre eigene Geschichte zu bewältigen, sie ist stark, facettenreich und „straight“. Auch die anderen Figuren sind überaus interessant.
So steht in Schatten des Nordlichts Hildurs finnischer Kollege Jakob verstärkt im Mittelpunkt, doch auch die isländische Sage um die 13 Weihnachtsgesellen, die an Weihnachten vom Berg Esja steigen, trägt zu dem atmosphärisch dichten Krimi bei.
Die Hildur-Trilogie ist eine unbedingte Leseempfehlung für alle Fans nordischer Krimis und die aktuelle Neuerscheinung steht nicht umsonst auf der Spiegel-Bestsellerliste. Vorsicht Suchtgefahr – denn: Wer einen Roman liest, der verfällt auch den anderen Hildur Krimis. Daher: Lesezeit einplanen!
Satu Rämö: Hildur – Der Schatten des Nordlichts (aus dem Finnischen von Gabriele Schrey-Vasara, Helsinki, 2003), Heyne Verlag München, 2024, 399 S., ISBN 9783453428195. 16 Euro
Ulrike Klein
Quelle: Deutsch Finnische Rundschau 204/2025