Arttu Tuominen: Was wir ihnen antun

(Rezension aus DFR 204/2025)

Keine leichte Kost ist der neue Kriminalroman von Arttu Tuominen – geht es doch um Gewaltverbrechen an Kindern und Jugend­lichen, ein Thema, das nicht nur Kommissarin Linda Toivonen und die Polizei in Pori in besonderer
Weise in Aufregung und Handlungsdruck bringt.

Was wir ihnen antun ist der vierte, in sich geschlossene Band der auf sechs Teile angelegten Delta-Reihe des Autors. Ein spannender Ansatz: In jedem Band steht eine Ermittlerin oder ein Ermittler des Teams mit seiner Herkunft und
Lebenslinie im Mittelpunkt, hier ist es eben Linda, eine beharrliche, engagierte Polizistin und Mutter ebenfalls eines jungen Mädchens, außerdem behaftet mit einem Wodka-Problem.

Ausgangspunkt des Romans ist das Verschwinden der dreizehnjährigen Laura Törmänen, das von ihrer Mutter
besorgt gemeldet wird. Zunächst hofft die Polizei, dass das Mädchen in typischer Jugendlichenkrise abgehauen sei und wieder auftaucht. Dann aber wendet sich das Blatt schnell … Tuominen spielt die Klaviatur von Grooming und Sexting, also sexueller Anmache von Minderjährigen im Netz, bis zu blankem Folter-Horror gewohnt meisterhaft. Und er verwebt verschiedenste Ebenen miteinander – den zehn Buchteilen sind jeweils Presseberichte über vermisste, verschwundene oder getötete Mädchen vorangestellt, der Zusammenhang zum eigentlichen Geschehen erschließt sich erst nach und nach im Plot des Romans. Im Hintergrund der Entwicklung der Ermittlungen, die sich irgendwann nicht mehr auf den Raum Pori beschränken, läuft die eigene Geschichte Lindas mit, die ebenfalls genug Traumata und Abgründe aufzuweisen hat.

Beeindruckt hat mich an Tuominens Roman unter anderem, dass mir als Leserin schon relativ früh ein*e mögliche*r Täter*in in den Fokus kam, diese Vermutung aber immer wieder verunsichert und vom Geschehen überschwemmt wurde und letzten Endes den Spannungsbogen in keiner Weise gestört oder gemildert hat. Das ist hohe Erzählkunst, von der Übersetzerin Anke Michler-Janhunen, übrigens langjähriges Mitglied der DFR-Redaktion, meisterlich ins Deutsche übertragen. Ganz zu Recht ist Tuominen, Ingenieur für Umwelttechnik und Autor, mehrfach, nicht nur in Finnland, mit Preisen ausgezeichnet und in einer Leser*innen-Umfrage der Finnischen Krimigesellschaft Dekkariseura 2024 auf Platz 1 vor Jokinen und Lehtolainen gewählt!

Arttu Tuominen: Was wir ihnen antun. Häväistyt. Aus dem Finnischen von Anke Michler-Janhunen. Bastei Lübbe
2024. 400 S., ISBN 978-3-7577-0059-1. 18 Euro

Jessika Kuehn-Velten

Quelle: Deutsch Finnische Rundschau 204/2025

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