(Rezension aus DFR 203/2024)
Das Sterben gehört zum Leben, aber man spricht nicht gerne darüber. Gerade mit Kindern, weil man sie vor dem Unvermeidlichen und Bedrückenden dieses Themas schützen möchte. Das Buch von Saskia Geisler erzählt die Geschichte von Satu, die mit dem Tod ihrer Oma zurechtkommen muss.
Satu liebt ihre finnische Oma über alles. Seit sie denken kann, verbringt sie ihre Sommerferien bei Oma Pilvi. Oma hat einen großen Garten und Hühner. Oma steckt voller Energie und toller Ideen, ist fit und unternimmt mit ihrer Enkeltochter viele spannende Dinge. Oma kann sich schöne Geschichten ausdenken. Und manchmal erzählt sie von Finnland, ihrer Heimat, die sie als junge Frau verlassen hatte. Mit Oma wird es nie langweilig. Dass das Lieblingsessen auf den Tisch kommt, versteht sich von selbst. Und Omas Zimtschnecken sind sowieso einfach nur Spitze! Oma hat es eben drauf. Doch in diesem Jahr ist einiges anders. Oma hat sich den Knöchel verstaucht und muss sich schonen. Aber Satu fällt auf, dass ohnehin irgendetwas mit Oma nicht zu stimmen scheint.
Ihre Sorge bestätigt sich. Die Nachricht trifft die Familie an einem ganz gewöhnlichen Tag: Oma liegt im Krankenhaus und wird bald sterben. Für Satu ein Schock! Sie ist zutiefst traurig und erlebt den Verlust mit intensiven Gefühlen von Leere, Angst, Vermissen. Ein wichtiger Teil ihrer Welt ist zusammengebrochen. Viele haben niemanden, um diese Erfahrung zu teilen. Satu hat nicht nur das Glück, von Mama und Papa aufgefangen zu werden, sondern in Paul und Sara zwei Freunde zu haben, die sie in dieser schwierigen Situation begleiten. Und helfen, Omas letzten Wunsch zu erfüllen, nämlich noch einmal den Winter in Finnland zu erleben.
Eine gut erzählte Geschichte, die berührt, ohne kitschig zu sein, die den richtigen Ton trifft. Die Trost spendet und Hoffnung gibt. Die zeigt, was Freundschaft und Familie vermag, um wieder Freude und Zuversicht zu empfinden.
Saskia Geisler: Satu sucht den Winter, Heiner Labonde Verlag, Grevenbroich 2024, ISBN 978-3-937507-XX-X, 99 S. 11 Euro.
Petra Sauerzapf-Poser
Quelle: Deutsch Finnische Rundschau 203/2024