(Rezension aus DFR 203/2024)
Hanna reist von Helsinki nach Paris. Mit dem nötigen Abstand von der Heimat gehen ihre Gedanken weit zurück, zurück zu ihrer Familie, zu ihrer Kindheit. Das kleine Mädchen mit dunklen, lockigen Haaren war einst ein fröhliches Kind, ein Lachgesicht, das Glanzbilder und Gummitwist liebte, doch aus dem Mädchen ist eine Frau geworden, die zurückblickt auf ihr Leben, auf eine gestörte Mutter-Tochter-Beziehung und die offen, gar schonungslos, das Konstrukt ihres Lebens und ihrer Familie durchforstet. Dabei begreift Hanna nicht nur die Beziehung zur Mutter und was diese ihr nicht geben konnte, sondern erfühlt auch ihr Inneres und das Verhältnis zu ihrem Körper. Sie realisiert, dass sie nur diesen einen Körper als ihr einziges Zuhause hat, um diesen nicht herumkommt und für ihn verantwortlich ist. Die schlussendlich versöhnlichen Gedanken weiten den Blick nach vorne und ermutigen, neue Wege einzuschlagen und die Vergangenheit hinter sich zu lassen.
Mit ihrem Debütroman erzählt die Finnin Hanna Brotherus über ihre Familie. Sie schreibt über das Verhältnis zum eigenen Körper, die Magersucht ihrer Schwester und was Essstörungen mit einem selbst, dem Körper und der Familie machen.
Hanna Brotherus ist heute 56 Jahre alt, sie lebt mit ihrer Familie in Helsinki und ist Choreografin, Regisseurin und Tänzerin.
Hanna Brotherus: Mein einziges Zuhause (Ainoa Kotini, Helsinki, 2021, aus dem Finnischen von Elina Kritzokat), Ullstein Verlag, Berlin, 2024, 392 S. ISBN 9783550202384. 24,99 Euro.
Dr. Ulrike Klein
Quelle: Deutsch Finnische Rundschau 203/2024